Stationsbericht 2025 des VRR: Viel Licht – aber weiter Schatten an kleineren Bahnhöfen

Witten/Gelsenkirchen. Mit dem Stationsbericht 2025 legt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) bereits zum 19. Mal eine systematische Bestandsaufnahme der 296 Bahnhöfe und Haltepunkte im Verbundraum vor. Viermal jährlich prüfen sogenannte Profitester:innen die Stationen anhand klar definierter Standards. Das Ergebnis fällt insgesamt positiv aus – offenbart jedoch weiterhin deutlichen Handlungsbedarf, insbesondere an kleineren und mittleren Stationen.

„Die Qualität der Stationen ist für unsere Fahrgäste ein entscheidender Faktor. Sie prägt den ersten Eindruck vom Schienenpersonennahverkehr und beeinflusst, wie wohl sich die Menschen fühlen“, betont VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke. Entsprechend konsequent verstehe der VRR den Bericht als Steuerungsinstrument, um Defizite sichtbar zu machen und gemeinsam mit den Eisenbahninfrastrukturunternehmen Verbesserungen anzustoßen.

Positiver Trend bei Information und Barrierefreiheit

Gemessen an den Ein- und Aussteigerzahlen zeigt sich 2025 – wie bereits im Vorjahr – ein überwiegend positives Bild. Mehr als 76 Prozent aller Fahrgäste im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) nutzen Stationen, die insgesamt positiv bewertet wurden. Dabei handelt es sich meist um größere, stark frequentierte Bahnhöfe.

Besonders erfreulich ist die Entwicklung in der Kategorie Fahrgastinformation:

Über 95 Prozent der Kund:innen steigen an Stationen ein und aus, die mit funktionierenden dynamischen Anzeigen, Fahrplanaushängen, Zeitanzeigen und klarer Beschilderung ausgestattet sind. 190 Stationen (65,97 Prozent) erhielten hier die Bestnote „hervorragend“, keine einzige wurde als „unzureichend“ eingestuft.

Auch bei der Barrierefreiheit sind Fortschritte sichtbar. Inzwischen verfügen 68,4 Prozent der Stationen über eine stufenfreie Zuwegung in Kombination mit einer Bahnsteighöhe von mindestens 76 Zentimetern – ein kontinuierlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren. Fast 90 Prozent der Fahrgäste profitieren von diesen Standards. 117 Stationen weisen nach VRR-Kriterien keinen Handlungsbedarf mehr auf.

Wittke unterstreicht die gesellschaftliche Dimension: „Barrierefreiheit ist kein Komfortmerkmal, sondern eine Voraussetzung für echte Teilhabe.“ Nur wenn mobilitätseingeschränkte Personen, Senior:innen, Familien mit Kinderwagen oder Reisende mit Gepäck selbstbestimmt reisen könnten, werde der Regionalverkehr zur echten Option für alle.

Aufenthaltsqualität bleibt Problemfeld

Deutlich kritischer fällt das Bild bei der Aufenthaltsqualität aus. Lediglich 36,5 Prozent der Fahrgäste nutzen Stationen, die hier als „hervorragend“ oder „zufriedenstellend“ bewertet wurden. 62,85 Prozent der Stationen gelten als „verbesserungswürdig“, weitere 9,03 Prozent sogar als „unzureichend“.

Bewertet werden unter anderem Müll, Verschmutzungen, Graffiti, bauliche Schäden, Feuchtigkeit, Geruchsbelästigung sowie die Funktionsfähigkeit von Ausstattungselementen wie Sitzgelegenheiten, Wetterschutz oder Beleuchtung. Grundlage ist das Prinzip der „Ideal-Station“, die mit 100 Prozent angesetzt wird. Fehlende Ausstattungsmerkmale oder qualitative Mängel führen zu prozentualen Abwertungen.

Besonders problematisch ist die Entwicklung an kleineren und mittleren Stationen: Zwar verbesserte sich der Anteil positiv bewerteter Stationen minimal auf 52,4 Prozent, gleichzeitig stieg jedoch die Zahl der als „nicht tolerierbar“ eingestuften Bahnhöfe von elf auf 15. Hier sieht der VRR insbesondere die DB InfraGO in der Pflicht. „Jede Station muss einen verlässlich hohen Standard erfüllen – unabhängig davon, wie viele Fahrgäste dort täglich unterwegs sind“, so Wittke.

Witten Hauptbahnhof 2025 (Foto: MS)
Witten Hauptbahnhof 2025 (Foto: MS)

Einordnung für Witten und Umgebung

Für Pendlerinnen und Pendler aus Witten und dem angrenzenden Raum lohnt sich ein genauer Blick auf die lokalen Ergebnisse.

Witten Hbf.: Ordentlich bewertet – mit Schwächen bei der Aufenthaltsqualität

Der Witten Hauptbahnhof verzeichnet an einem durchschnittlichen Wochentag 7.189 Ein- und Aussteiger und gehört damit zu den bedeutenderen Stationen im südlichen Ruhrgebiet. Im VRR-Ranking erhält er eine ordentliche Gesamtbewertung.

Witten Hauptbahnhof 2023 (Foto: MS)
Witten Hauptbahnhof 2023 (Foto: MS)

Defizite bestehen allerdings im Bereich Aufenthaltsqualität. Verschmutzungen und qualitative Mängel führen hier zu Abwertungen. Für eine Station mit zentraler Bedeutung für die Stadt und mit hoher täglicher Frequenz ist dies ein klarer Hinweis auf Optimierungsbedarf – insbesondere bei Sauberkeit, Pflege und baulicher Substanz. Hierbei muss man allerdings das private Bahnhofsgebäude mit positiver Entwicklung nach Privatisierung gesondert vom Tunnel betrachtet werden. Der Zugang zu Bahnsteig fällt in andere Zuständigkeit.

Zugang zum Bahnsteig Witten-Annen Nord, Archivfoto aus dem Jahr 2023. (Foto: MS)
Zugang zum Bahnsteig Witten-Annen Nord, Archivfoto aus dem Jahr 2023. (Foto: MS)

Witten-Annen Nord: Entwicklungsbedürftig

Anders stellt sich die Situation am Witten-Annen Nord dar. Mit 1.471 Ein- und Aussteigern täglich ist der Haltepunkt deutlich kleiner, wird jedoch als entwicklungsbedürftig eingestuft, nicht zuletzt wegen dem fehlenden barrierefreien Zugang zum Bahnsteig.

Bei einer Kontrolle am 4. Dezember 2025 registrierten die Profitester:innen zwei defekte Beleuchtungskörper im Zugangsbereich sowie zwei weitere auf den Bahnsteigen. Gerade Beleuchtungsmängel wirken sich nicht nur auf die Bewertung der Ausstattung, sondern auch auf das subjektive Sicherheitsempfinden aus. Zudem zählt auch diese Station in der Kategorie Aufenthaltsqualität zu den schwächeren.

Bochum-Langendreer und Langendreer West

Die Station Bochum-Langendreer erhält eine ordentliche Gesamtbewertung, zeigt jedoch Defizite bei der Aufenthaltsqualität. Am 15. Oktober 2025 wurde ein defekter Beleuchtungskörper im Zugangsbereich dokumentiert.

Deutlich kritischer ist die Lage am Bochum-Langendreer West. Die Station gilt als entwicklungsbedürftig. Vier defekte Beleuchtungskörper auf den Bahnsteigen sowie beschädigte Wetterschutzhäuschen aus Beton führten zu Abwertungen – auch wenn der Bereich kameraüberwacht ist. Hier kumulieren infrastrukturelle Mängel mit einem insgesamt verbesserungswürdigen Erscheinungsbild.

Dortmund-Oespel und Dortmund-Kley

Für viele Wittener Pendlerinnen und Pendler sind auch die Dortmunder Stationen im Westen relevant. Sowohl Dortmund-Oespel als auch Dortmund-Kley erhielten eine ordentliche Bewertung, zeigen jedoch deutliche Schwächen bei der Aufenthaltsqualität.

In Oespel wurden am 17. November 2025 zwei defekte Beleuchtungskörper im Zugangsbereich sowie drei auf den Bahnsteigen festgestellt. In Kley waren es zwei defekte Leuchten im Zugangsbereich. Auch hier zeigt sich: Einzelne technische Mängel summieren sich in der Bewertung spürbar, insbesondere wenn sie mit weiteren qualitativen Defiziten einhergehen.

Regionale Spitzen und Schlusslicht

Zu den ausgezeichneten Stationen in der Region zählen unter anderem Bochum Hbf., Dortmund-Krukel und Dortmund-Löttinghausen. Sie zeigen, dass Investitionen in Infrastruktur und Pflege messbare Wirkung entfalten.

Als „nicht tolerierbar“ wurde hingegen Hattingen (Ruhr) Mitte eingestuft. Massive Probleme bei Sauberkeit, Graffiti und baulichem Zustand führten hier zum schlechtesten Ergebnis im gesamten Verbundraum.

Fortschritte sichtbar – aber kein Grund zur Entwarnung

Der Stationsbericht 2025 belegt, dass Investitionen insbesondere in Fahrgastinformation und Barrierefreiheit greifen. Gleichzeitig offenbart er strukturelle Defizite bei der Aufenthaltsqualität – vor allem an kleineren und mittleren Stationen.

Für Witten und das angrenzende Umland bedeutet das: Während zentrale Knoten wie der Hauptbahnhof insgesamt solide abschneiden, bleibt an Stationen wie Witten-Annen Nord oder Bochum-Langendreer West deutlicher Modernisierungsbedarf. Defekte Beleuchtung, bauliche Mängel und qualitative Schwächen sind keine Randnotizen, sondern fließen systematisch in die Bewertung ein. Der Bericht liefert damit nicht nur eine Momentaufnahme, sondern eine klare Handlungsagenda: Qualität im SPNV beginnt am Bahnsteig – und sie muss überall im Verbundraum spürbar sein.

Barrierefreiheit