Ruhrgebiet. Pendlerinnen und Pendler im Ruhrgebiet und in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens müssen sich am Montag, 2. Februar 2026, auf massive Einschränkungen einstellen: Ein bundesweiter Warnstreik der Gewerkschaft ver.di wird den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) weitgehend zum Erliegen bringen. Von Betriebsbeginn bis -ende bleiben Busse und Bahnen in den Depots, teilten die Verkehrsunternehmen Bogestra, DSW21, HCR und VER mit.
Betroffen sind nicht nur alle Stadtbusse, Straßenbahnen und U-Bahn-Linien, sondern auch Schnellbusse, NachtExpress-Angebote sowie sämtliche Schulbusverkehre. Auch Fahrten, die von Subunternehmern durchgeführt werden, fallen aus – eine Ausnahme bildet lediglich die Vestische im Kreis Recklinghausen, deren Subunternehmer sich nicht am Streik beteiligen.
„Am Montag, 2. Februar 2026, können aufgrund des von Gewerkschaftsseite angekündigten Warnstreiks von Betriebsbeginn bis -ende im gesamten Betriebsgebiet keine Bus- und Bahnfahrten angeboten werden.“
„Sämtliche Stadtbahn- und Buslinien sowie die H-Bahn von DSW21 werden am 2. Februar 2026 in Dortmund nicht fahren werden.“
„Die Hagener Straßenbahn AG (HST) wird bestreikt. Die HST versucht am Streiktag einen Streikfahrplan aufrechtzuerhalten, sodass zwischen 5:30 Uhr und 21:00 Uhr zumindest einige ausgewählte Linien in einem ausgedünnten Takt auf den Hauptachsen fahren werden.“
„Aufgrund des von Gewerkschaftsseite angekündigten Warnstreiks können am Montag, 2. Februar 2026, im gesamten VER Betriebsgebiet keine Busfahrten angeboten werden.“
Betrieb bleibt stark eingeschränkt.
Notbetrieb nur in Ausnahmefällen
In Hagen soll auf einzelnen Buslinien ein stark ausgedünnter Notfallfahrplan angeboten werden. Auch im Märkischen Kreis plant die MVG trotz Streiks vereinzelt Fahrten. Verlässliche Verbindungen sind dies jedoch nicht: Fahrgäste werden ausdrücklich davor gewarnt, sich auf die Apps der Verkehrsunternehmen zu verlassen, da diese das reduzierte Angebot kurzfristig nicht korrekt abbilden können.
Die Auswirkungen dürften dennoch deutlich spürbar sein. „Es ist davon auszugehen, dass der ÖPNV in den betroffenen Betrieben vollständig zum Stillstand kommt“, heißt es aus Gewerkschaftskreisen. Lediglich in Niedersachsen bleiben rund 5.000 Beschäftigte aufgrund der dort geltenden Friedenspflicht vom Streik ausgenommen. Ob sich auch die Hamburger Hochbahn beteiligt, entscheidet sich nach laufenden Verhandlungen kurzfristig.
Bundesweiter Konflikt mit regionalen Schwerpunkten
Der Warnstreik ist Teil der aktuellen Tarifrunde bei den kommunalen Nahverkehrsunternehmen. Ver.di ruft Beschäftigte in allen 16 Bundesländern zum Arbeitskampf auf. Insgesamt sind fast 100.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in rund 150 städtischen Verkehrsunternehmen betroffen.
Im Zentrum der Forderungen stehen weniger höhere Löhne als vielmehr spürbare Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Ver.di verlangt unter anderem eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit und der Schichtlängen, längere Ruhezeiten sowie höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit. In einigen Bundesländern – darunter Bayern, Brandenburg, das Saarland, Thüringen und Hamburg – wird zusätzlich über Gehaltssteigerungen verhandelt.
„Hohe Belastung, kaum Entlastung“
Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle begründet den harten Kurs der Gewerkschaft mit der zunehmenden Belastung im ÖPNV. „Die Beschäftigten stehen unter hohem Druck durch ungünstige Arbeitszeiten, Schichtarbeit und permanenten Zeitstress“, erklärte sie. Ohne spürbare Entlastung drohe eine weitere Abwanderung von Fachkräften. Bereits jetzt kämpften viele Betriebe mit Personalmangel.
Die bisherigen Verhandlungen seien ernüchternd verlaufen, so Behle. Die Arbeitgeber hätten nahezu alle Forderungen abgeblockt, teils sogar Verschlechterungen ins Spiel gebracht – etwa längere Schichten oder die Streichung von Zuschüssen zum Krankengeld. „Das ist ein Angriff auf bestehende Vereinbarungen und gefährdet den ÖPNV als Teil der Daseinsvorsorge“, sagte sie. Wer faire Arbeitsbedingungen verweigere, nehme bewusst in Kauf, dass Menschen ihre Mobilität verlieren.
NRW im Fokus: Streit um Arbeitszeiten
Besonders zugespitzt ist der Konflikt in Nordrhein-Westfalen. Dort verhandelt ver.di mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband NRW (KAV NW) über einen Spartentarifvertrag für die Nahverkehrsbetriebe. Die erste Verhandlungsrunde fand bereits am 21. Januar 2026 statt, weitere Termine sind für Anfang und Ende März angesetzt.
Aus Sicht der Gewerkschaft verlief der Auftakt enttäuschend. Obwohl die Forderungen den Arbeitgebern seit November vorlagen und öffentlich übergeben worden waren, sei in der ersten Runde keinerlei inhaltliche Antwort erfolgt. Stattdessen hätten die Arbeitgeber auf die angespannte Finanzlage der Kommunen verwiesen und eine Reduzierung der Arbeitszeit kategorisch ausgeschlossen.
Ver.di hält dagegen: Bundesweit hätten bereits elf Länder kürzere Wochenarbeitszeiten im Nahverkehr vereinbart. „Es ist nicht erklärbar, warum Beschäftigte in NRW mehr arbeiten sollen als Kolleginnen und Kollegen in Baden-Württemberg, Hessen oder Schleswig-Holstein“, heißt es aus der Verhandlungskommission.
Signal an Politik und Arbeitgeber
Mit dem Warnstreik will ver.di den Druck erhöhen – nicht nur auf die Arbeitgeber, sondern auch auf Bund und Länder. Die Gewerkschaft fordert eine dauerhaft bessere Finanzierung des ÖPNV, um kommunale Haushalte zu entlasten. Die finanzielle Schieflage dürfe nicht einseitig auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.
Für Montag bleibt Fahrgästen vorerst nur, auf Alternativen auszuweichen: Fahrgemeinschaften, Homeoffice oder das Fahrrad. Ob weitere Streiktage folgen, hängt vom Verlauf der nächsten Verhandlungsrunden ab. Klar ist schon jetzt: Der Arbeitskampf im Nahverkehr dürfte die Städte noch länger beschäftigen.



