Bebbelsdorf: Nadelöhr bis 2030

Witten-Annen. Die Autobahnbrücke Bebbelsdorf ist zu schwach für den Alltag geworden. Zwei Lastwagen gleichzeitig – das hält das Bauwerk nicht mehr aus. Die Konsequenz ist drastisch, aber unausweichlich: Die zulässige Traglast wurde reduziert, der Verkehr auf eine Spur verengt. Seitdem gilt eine maximale Durchfahrtsbreite von 3,5 Metern.

Um das zu erzwingen, hat die Stadt Witten eine Lichtsignalanlage installiert, die den Verkehr wechselseitig über die Brücke führt. Rot für die einen, Grün für die anderen – ein Provisorium, das nun für Jahre zur Dauerlösung wird. Denn eine grundlegende Erneuerung der Brücke ist nach Angaben der Autobahn GmbH des Bundes nicht vor den 2030er Jahren zu erwarten. Die Einschränkungen gelten vorerst ebenfalls bis Ende 2030.

Was nach technischer Notwendigkeit klingt, ist zugleich ein weiterer Beleg für den schleichenden Verfall der Verkehrsinfrastruktur. Die Maßnahmen dienen offiziell der „Sicherstellung der Verkehrssicherheit und der weiteren Nutzbarkeit des Bauwerks“. Übersetzt heißt das: Die Brücke soll so lange wie möglich durchgehalten werden – mit Ampeln statt Beton.

Brücke Bebbelsdorf in Witten. (Foto: Marek Schirmer)
Brücke Bebbelsdorf in Witten. (Foto: Marek Schirmer)

Formal ist die Lage klar geregelt. Straßenbaulastträgerin der über die Brücke führenden Straße ist die Stadt Witten, die Kosten für die Lichtsignalanlage übernimmt vollständig die Autobahn GmbH.

In der Praxis jedoch zeigen sich schnell die Schwächen des Konzepts. Zwar wurden vor der Brücke Verbotsschilder angebracht, die Fahrzeuge über 40 Tonnen von der Durchfahrt abhalten sollen. Doch die Wirkung ist überschaubar. Die Schilder werden ignoriert, schwere Lkw fahren weiterhin an – oft erst bis unmittelbar vor die Engstelle. Frühzeitige Hinweise, etwa bereits bei der Einfahrt in die Straße, fehlen. Wer zu spät merkt, dass er hier nicht weiterkommt, hat kaum Möglichkeiten zu wenden. Besonders stadtauswärts ist der Platz dafür begrenzt.

So steht die Brücke Bebbelsdorf zum täglichen Risiko- und Geduldstest: für Anwohner, für Pendler, für den Lieferverkehr. Und sie steht exemplarisch für ein bekanntes Muster: reparieren, regeln, verschieben – bis irgendwann neu gebaut wird. Irgendwann in den 2030ern.

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