Nordrhein-Westfalen hat eine neue Ministerin für eines der gesellschaftlich sensibelsten Ressorts: Verena Schäffer ist am Dienstag, 27. Januar 2026, von Ministerpräsident Hendrik Wüst zur Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration ernannt worden. Die 39-jährige Grünen-Politikerin folgt auf Josefine Paul, die zuvor ihren Rücktritt erklärt hatte. Die offizielle Amtsübergabe fand noch am Dienstagmittag in der Staatskanzlei statt, die Vereidigung im Landtag ist für Mittwoch vorgesehen.
Mit Schäffer rückt eine profilierte Landespolitikerin ins Kabinett, die sowohl innerhalb der Koalition als auch über Parteigrenzen hinweg als erfahren und sachorientiert gilt. Ministerpräsident Wüst würdigte sie als „über Parteigrenzen hinweg anerkannte Politikerin“, die in ihrer bisherigen Funktion maßgeblich zum Erfolg der schwarz-grünen Koalition beigetragen habe. Zugleich dankte er ihrer Vorgängerin Josefine Paul für eine „kollegiale, konstruktive und verlässliche“ Zusammenarbeit.
Von Witten nach Düsseldorf – eine steile politische Laufbahn
Für viele Menschen in Witten ist die Ernennung ein besonderer Moment. Schäffer stammt aus dem Stadtteil Stockum und wuchs als „Kind des Ruhrgebiets“ in Witten auf. Auch wenn sie heute zwischen Köln und Witten lebt, ist ihre politische Sozialisation eng mit der Stadt verbunden. Bereits früh engagierte sie sich kommunalpolitisch, saß von 2009 bis 2014 im Wittener Stadtrat und sammelte dort praktische Erfahrung an der Basis.
2010 zog Schäffer erstmals in den Landtag von Nordrhein-Westfalen ein – mit gerade einmal 23 Jahren als jüngste Abgeordnete. Seitdem ist sie, mit kurzer Unterbrechung, kontinuierlich Teil des Parlaments. Innerhalb der Grünen machte sie schnell Karriere: Von der Grünen Jugend über verschiedene Vorstandsämter bis hin zur parlamentarischen Geschäftsführerin und schließlich zur Fraktionsvorsitzenden, ein Amt, das sie seit Oktober 2020 innehat.
Anerkannt, erfahren, meinungsstark
In der Landespolitik hat sich Schäffer vor allem als innenpolitische Sprecherin und Expertin für Strategien gegen Rechtsextremismus einen Namen gemacht. Ihre politische Handschrift ist geprägt von einem klaren Bekenntnis zu Bürgerrechten, demokratischer Kontrolle der Sicherheitsbehörden und einem differenzierten Sicherheitsverständnis. Sie warnt regelmäßig vor reflexhaften Gesetzesverschärfungen nach Gewalttaten und betont die Notwendigkeit, Freiheit und Sicherheit stets verhältnismäßig abzuwägen.

Auch ihr Engagement gegen Rassismus, Antisemitismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch ihre politische Arbeit. Schäffer setzt dabei auf Prävention, die Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen und gezielte Unterstützung von Betroffenen rechter Gewalt.
Ein Ressort mit großer gesellschaftlicher Tragweite
Das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration zählt zu den politisch wie gesellschaftlich anspruchsvollsten Ressorts der Landesregierung. Hier laufen Fragen zusammen, die unmittelbar den Alltag vieler Menschen betreffen: die Situation in Kitas und Schulen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Teilhabe junger Menschen, Gleichberechtigung sowie der Umgang mit Flucht und Migration.
Schäffer macht keinen Hehl aus dem Respekt vor der neuen Aufgabe.
„Mein Respekt vor dieser Aufgabe ist groß und ich werde sie in genauso großer Verantwortung annehmen“,
erklärte sie nach ihrer Ernennung. Zugleich kündigte sie an, die von Josefine Paul angestoßenen Gesetze und Vorhaben konsequent weiterzuführen. Im Mittelpunkt sollen die Interessen von Familien mit Kindern stehen – ebenso wie die Beteiligung von Jugendlichen, deren Perspektiven in der Politik stärker gehört werden müssten.
Politik mit persönlichem Bezug
Dass Schäffer diese Themen nicht nur theoretisch betrachtet, sondern auch aus eigener Erfahrung kennt, betont sie immer wieder. Die Ministerin ist Mutter zweier Kinder, geboren 2015 und 2018. Die Herausforderungen junger Familien, insbesondere die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und politischem Engagement, prägen ihren politischen Blick. Gute und verlässliche Betreuungsstrukturen seien nicht nur ein politisches Ziel, sondern eine Voraussetzung für echte Gleichberechtigung.
Signalwirkung auch für die Region
Für Witten und den Ennepe-Ruhr-Kreis ist Schäffers Ernennung mehr als nur eine Personalie auf Landesebene. Sie zeigt, dass politische Karrieren auch jenseits der großen Metropolen beginnen können – und dass kommunalpolitisches Engagement ein Sprungbrett für höchste Landesämter sein kann. Viele Wittenerinnen und Wittener dürften die Entwicklung „ihrer“ Verena Schäffer mit besonderem Interesse verfolgen.
Mit dem Wechsel ins Kabinett beginnt für Schäffer ein neues Kapitel. Die Erwartungen sind hoch, die Themen komplex. Doch ihre bisherige Laufbahn deutet darauf hin, dass sie die politische Erfahrung, das fachliche Profil und die notwendige Standfestigkeit mitbringt, um dieses zentrale Ressort in bewegten Zeiten zu führen.



