Witten. Die Stromkundinnen und -kunden in Witten können aufatmen: Zum 1. Mai 2026 wollen die Stadtwerke Witten den Strompreis senken. Für einen durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalt im Grundtarif bedeutet das nach Angaben des kommunalen Versorgers eine Entlastung von rund 75 Euro pro Jahr. Möglich wird dieser Schritt durch gesunkene Netzentgelte infolge einer gesetzlichen Änderung – und durch das aktive Eingreifen der Stadtwerke, wie das Unternehmen betont.
Hintergrund ist eine Reform der Stromnetzentgeltverordnung, die in den vergangenen Jahren ausgerechnet für Witten zu höheren Kosten geführt hatte. Aufgrund der örtlichen Netzstruktur und sogenannter ungünstiger Spannungsebenen war die Stadt im bundesweiten Vergleich benachteiligt. Die Folge: Alle Stromkundinnen und -kunden in Witten zahlten höhere Netzentgelte – unabhängig davon, bei welchem Anbieter sie ihren Strom bezogen.
„Die gesetzliche Änderung bei den Netzentgelten hat Witten strukturell benachteiligt. Alle Kund:innen in unserer Stadt mussten mehr bezahlen“, erklärt Markus Borgiel, Vertriebsleiter der Stadtwerke Witten. Man habe sich deshalb intensiv dafür eingesetzt, diese Benachteiligung zu korrigieren. In enger Zusammenarbeit mit anderen Netzbetreibern sei nun ein Ansatz gefunden worden, der es ermögliche, die zunächst vorläufig veröffentlichten Netzentgelte noch einmal zu senken – mit unmittelbaren Auswirkungen auf den Strompreis.
Automatische Weitergabe der Entlastung
Während Energieversorger rechtlich nicht verpflichtet sind, sinkende Netzentgelte automatisch an ihre Kundschaft weiterzugeben, haben sich die Stadtwerke Witten genau dazu entschieden. Die Preissenkung greift ohne Zutun der Kundinnen und Kunden. Borgiel formuliert zugleich eine klare Empfehlung an alle Wittenerinnen und Wittener, die ihren Strom von anderen Anbietern beziehen: „Prüfen Sie Ihre Vertragsunterlagen oder fragen Sie bei Ihrem Versorger nach. Eine automatische Weitergabe ist gesetzlich nicht vorgeschrieben.“
Für Kundinnen und Kunden der Stadtwerke ergeben sich darüber hinaus zusätzliche Sparmöglichkeiten. Wer aus dem Grundtarif in einen Vertrag mit zwölf- oder 24-monatiger Laufzeit wechselt, kann laut Stadtwerken doppelt profitieren: durch einen günstigeren Arbeitspreis und reduzierte Netzentgelte. Für eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von rund 4.000 Kilowattstunden summiere sich die Ersparnis auf etwa 150 Euro. Bestehende Laufzeitverträge bleiben davon unberührt – auch hier werde die volle Entlastung automatisch berücksichtigt.
Signal an die lokale Wirtschaft
Nicht nur private Haushalte sollen von der Preissenkung profitieren. Auch für Unternehmen in Witten ist sie ein wichtiges Signal. „In zahlreichen Gesprächen haben wir die Sorgen über die hohen Netzentgelte gehört. Das hat uns zusätzlich motiviert, für Witten zu kämpfen“, sagt Borgiel. Gerade energieintensive Betriebe litten zuletzt unter den strukturellen Nachteilen des Standorts.
Die Strompreissenkung reiht sich zudem in eine Serie jüngster Entlastungen ein. Bereits zum 1. Januar 2026 hatten die Stadtwerke den Gaspreis gesenkt. Durch den Wegfall der gesetzlichen Gasspeicher-Umlage werden Wittener Haushalte im Durchschnitt um rund 2,4 Prozent oder etwa 30 Euro pro Jahr entlastet.
Für die Stadtwerke Witten ist die angekündigte Strompreissenkung damit mehr als eine reine Tarifmaßnahme. Sie ist ein Versuch, strukturelle Nachteile auszugleichen – und ein Versprechen an die Stadt, dass gesetzliche Spielräume nicht nur erkannt, sondern auch genutzt werden.



