Zwei Wochen, sieben Monate: Sprockhöveler Straße wieder frei

Es gibt in Witten Dinge, die kommen verlässlich: der Herbst, das Zwiegespräch über den Sinn von Tempo 30 – und Baustellen, die „nur zwei Wochen dauern“.

Die Sprockhöveler Straße ist so ein Fall. Genauer gesagt: die Eisenbahnbrücke darüber. Baubeginn am 25. August 2025, veranschlagt mit jener charmanten Zeitangabe, die man sonst eher von Handwerkern kennt, die „gleich mal eben“ schauen: zwei Wochen. Eine Formulierung, die im Rückblick fast schon als literarisches Stilmittel durchgeht.

Was folgte, war kein Bauprojekt, sondern eine Fortsetzungsserie. Erst einspurig, dann Vollsperrung, dann wieder irgendwas dazwischen – dramaturgisch sauber aufgebaut. Die Deutsche Bahn lieferte mit „kurzfristigen Sicherungsmaßnahmen“ die passende Cliffhanger-Rhetorik: Man wusste nie so genau, ob gerade abgestützt, ersetzt oder einfach nur gehofft wurde.

Die Termine? Ein eigenes Kapitel. 24. Dezember 2025 – beinahe besinnlich. Dann der 17. Januar, der 1. März und schließlich: heute, der 23. März 2026. Ein Datum, das sich nun endlich traut, kein Versprechen mehr zu sein, sondern Realität. Man möchte fast applaudieren, vorsichtig, um die Statik nicht zu gefährden.

Für Pendler war das Ganze weniger feuilletonistisch. Zugausfälle, Schienenersatzverkehr mit interpretierbarem Fahrplan und eine Umleitungsstrecke über Witten-Annen, die selbst eher an eine Entschleunigungsmaßnahme erinnerte. Langsamfahrstellen wegen maroder Brücken – es ist ein wenig so, als würde man ein Problem umfahren und dabei feststellen, dass die Umfahrung selbst ein Problem ist.

Und während unten die Absperrungen standen, wurde oben bereits an der Zukunft gearbeitet – zumindest planerisch. „In einigen Jahren“ soll die Brücke komplett neu gebaut werden. Eine Zeitangabe, die in diesem Kontext fast schon tröstlich konkret wirkt.

Heute also die gute Nachricht: Zum Feierabendverkehr wird die Straße wieder freigegeben. Mitarbeiter des Bauhofs sammeln die letzten Absperrungen ein, die „Plünten“ verschwinden, und Witten darf wieder durchatmen – zumindest an dieser Stelle.

Bis zur nächsten „zweiwöchigen“ Baustelle.

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