Dr. Matthias Thöns erhält Verdienstkreuz für Engagement in der Palliativmedizin

Witten. Für sein jahrzehntelanges Engagement in der Palliativmedizin und seinen unermüdlichen Einsatz für ein würdevolles und selbstbestimmtes Sterben ist der Wittener Arzt Dr. Matthias Thöns mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Landrat Olaf Schade überreichte die hohe Auszeichnung und würdigte Thöns als „Pionier der modernen Palliativmedizin“, der sich mit außergewöhnlicher Leidenschaft für seine Patientinnen und Patienten einsetzt.

„Ihr Engagement geht weit über den beruflichen Einsatz eines Arztes hinaus“, sagte Schade bei der Verleihung. „Sie sind jederzeit bereit, für das Wohl der Menschen zu kämpfen, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und für das Recht auf ein selbstbestimmtes und schmerzfreies Sterben einzutreten.“

Vom Notarzt zum Wegbereiter der Palliativmedizin

Der heute 58-jährige Thöns wollte ursprünglich Notarzt werden. Als Anästhesist sammelte er in Kliniken intensive Erfahrungen im Umgang mit Leben und Tod – und stellte fest, dass Sterben dort oft alles andere als würdevoll verlief. „Er fragte sich, wie gutes Sterben möglich sein kann“, erklärte Schade.

1998 zog Thöns Konsequenzen und verließ den Klinikbetrieb, um als niedergelassener Arzt in Witten neue Wege zu gehen. Zu einer Zeit, in der Palliativmedizin in Deutschland noch ein Randthema war, setzte er sich konsequent für eine bessere Versorgung am Lebensende ein – mit dem Ziel, schwerstkranken Menschen eine möglichst hohe Lebensqualität zu ermöglichen.

Netzwerke für ein würdevolles Lebensende

Besonders prägend war Thöns’ Engagement bei der Gründung von Palliativnetzwerken, die eine ganzheitliche Betreuung schwerkranker Menschen ermöglichen. 2005 gehörte er zu den Initiatoren des Palliativnetzes Bochum, 2010 folgte das Palliativnetz Witten.

Diese Netzwerke koordinieren die Zusammenarbeit von Medizin, Pflege und Hospizarbeit und ermöglichen es Betroffenen, ihre letzte Lebensphase gut versorgt in den eigenen vier Wänden zu verbringen. „Die Zahl der Menschen, die bis zuletzt an dem Ort ihrer Wahl bleiben können, ist in Witten deutlich höher als im Bundesdurchschnitt“, betonte Schade.

Lebensqualität bis zuletzt

Dr. Matthias Thöns gilt heute als einer der wichtigsten Experten für Palliativmedizin in Deutschland. Sein Ziel: Schmerzen und Ängste lindern, Sorgen ernst nehmen, Wünsche respektieren – und gemeinsam mit Patientinnen und Patienten den Tod nicht als Feind, sondern als Teil des Lebens akzeptieren.

„Er ist ein Facharzt für Lebensqualität“, sagte der Landrat. „Seine Arbeit zeigt, dass es möglich ist, selbst im Angesicht des Todes ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben zu führen.“

Gesellschaftlicher Einfluss und wissenschaftliches Engagement

Thöns hat sich nicht nur in der täglichen Arbeit an der Seite seiner Patientinnen und Patienten verdient gemacht. Er prägte auch die gesellschaftliche und rechtliche Diskussion über Sterbehilfe und Palliativversorgung in Deutschland.

Mit fundierten Vorträgen, Buchveröffentlichungen und Auftritten in den Medien brachte er wichtige Themen einer breiten Öffentlichkeit näher. Als einer der Beschwerdeführer vor dem Bundesverfassungsgericht trug er dazu bei, dass das Verbot der Sterbehilfe aufgehoben wurde – ein Meilenstein für die Selbstbestimmung am Lebensende.

Seine Verdienste wurden mehrfach gewürdigt: 2021 erhielt er den Deutschen Schmerzpreis, zudem war er von 2011 bis 2025 stellvertretender Sprecher der Landesvertretung NRW der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und Mitglied im Stiftungsrat der Deutschen Palliativ Stiftung.

Höchste staatliche Auszeichnung

Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist die höchste staatliche Anerkennung für Verdienste um das Gemeinwohl. Seit seiner Einführung durch Bundespräsident Theodor Heuss im Jahr 1951 wurden über 263.000 Menschen ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt herausragendes Engagement in Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur – sowie im sozialen und mitmenschlichen Bereich.

Mit der Verleihung des Verdienstkreuzes wird Dr. Matthias Thöns nun Teil dieser besonderen Gemeinschaft. Sein Wirken hat nicht nur unzähligen Menschen in ihrer schwersten Lebensphase geholfen, sondern auch das Bewusstsein für ein selbstbestimmtes, schmerzfreies und menschenwürdiges Sterben nachhaltig geprägt.

Barrierefreiheit