1 / 3
2 / 3
3 / 3
Spatenstich "Am Katteloh" (v.l.): Ulrich Schilling (Breitbandbeauftragte, EN-Kreis), Stefan Baldzun (Telekom), Olaf Schade (Landrat), Frank Hasenberg (Bürgermeister Wetter), Sonja Leidemann (Bürgermeisterin Witten), Peter Uphoff (Wirtschaftsförderung Wetter), Sandra Schüler (Kämmerin, Breckerfeld), Lena Dobrick (Wirtschaftsförderin, Gevelsberg), Dieter Joachimi (Beigeordnete, Herdecke) und Georg Plassmann (Wirtschaftsförderung, Hattingen) (Foto: UvK / Ennepe-Ruhr-Kreis)
Spatenstich "Am Katteloh" (v.l.): Ulrich Schilling (Breitbandbeauftragte, EN-Kreis), Stefan Baldzun (Telekom), Olaf Schade (Landrat), Frank Hasenberg (Bürgermeister Wetter), Sonja Leidemann (Bürgermeisterin Witten), Peter Uphoff (Wirtschaftsförderung Wetter), Sandra Schüler (Kämmerin, Breckerfeld), Lena Dobrick (Wirtschaftsförderin, Gevelsberg), Dieter Joachimi (Beigeordnete, Herdecke) und Georg Plassmann (Wirtschaftsförderung, Hattingen) (Foto: UvK / Ennepe-Ruhr-Kreis)

Auftaktveranstaltung zum Breitbandausbau in Stockum

Witten-Stockum. Die Prominenz aus Politik und Verwaltung startete symbolisch den Breitbandausbau für den ganzen Ennepe-Ruhr-Kreis „Am Katteloh“ in Stockum. Nicht schlecht staunte Jonas Thiemann, als vor seinem Haus plötzlich der Landrat Olaf Schade, die Bürgermeisterin Sonja Leidemann und Frank Hasenberg, Bürgermeister von Wetter an der Ruhr den Breitbandausbau symbolisch starteten. Die Veranstaltung war ursprünglich für März 2020 angedacht. Der Ausbau begann bereits damals, jetzt wurde nur die Auftaktveranstaltung Corona bedingt nachgeholt.

Die Internetgeschwindigkeit Am Katteloh schwankt sehr, bemängelt Thiemann. Vor drei Jahren ist er mit seiner Familie in den Norden Stockum gezogen. Zusätzlich zum Festnetzanschluss nutzt seine Familie einen Router, der sich gleichzeitig auch über den Mobilfunk mit dem Internet verbindet. Trotz der beiden Empfangswege reduziert sich abends die Geschwindigkeit seiner Internetverbindung, wenn viele Nutzer in der Nachbarschaft gleichzeitig im Internet surfen. Schon in ein paar Wochen soll sein Haus an eine Glasfaserleitung direkt angeschlossen werden. Am Dienstag (20.10.) weihten Politiker einen Schaltkasten vor seinem Haus ein.

„Schnelles Internet ist heute Grundversorgung genau wie Strom und Wasser“,

erklärte Frank Hasenberg, Bürgermeister von Wetter an der Ruhr. Sonja Leidermann, die Bürgermeisterin von Witten ergänzte:

„Wir haben an sich schon einen guten Internetausbau. Es ist für uns besonders schön, dass insbesondere solche ländlichen Regionen versorgt werden“.

Der Gigabitatlas des Landes NRW zeigt aktuelle Daten vom Sommer 2020. Witten kommt da nicht gut weg. Während in Bochum 90 Prozent der Anschlussinhaber Geschwindigkeiten von 1.000 Mbit/s bestellen können, sind es im Ennepe-Ruhr-Kreis 44 Prozent. Den Durschnitt im Ennepe-Ruhr-Kreis heben die Städte Herdecke (82 %), Gevelsberg (67 %) und Wetter an der Ruhr (64 %) an. Sprockhövel und Witten sind am schlechtesten versorgt, nur 24 % der Haushalte können 1.000 Mbit/s-Leitungen bestellen. Auch bei Anschlüssen mit 400 Mbit/s liegt Witten abgeschlagen hinter fast allen Nachbarstädten, außer Sprockhövel, wo die Situation noch schlechter ist.

Im Laufe der nächsten drei Jahre werden in allen Städten des Ennepe-Ruhr-Kreises Versorgungslücken mit schnellem Internet geschlossen – mithilfe von Fördergeldern des Bundes und Landes in Höhe von insgesamt 19,4 Millionen Euro. Weit mehr als 4.000 von etwa 170.000 Haushalten sollen profitieren, teilte der Ennepe-Ruhr-Kreis mit.

„Wir wollen im Ennepe-Ruhr-Kreis an jeder Milchkanne – in jeder Ecke des Kreises – muss Breitbandinternet hin“,

sagte in Stockum der Landrat Olaf Schade. Die Städter schmunzeln über die Milchkannen, denn diese sind aus dem Stadtbild verschwunden. Anders sieht es u.a. im Breckerfeld aus, wo es Milchkuhhaltung gibt.

„Wir hier in Breckerfeld-Branten haben eine 8-Mbit/s-Leitung. Wir haben ein schnelles Internet, aber da braucht man gar nicht weit fahren, halben Kilometer weiter da brauchen die einen halben Tag, um irgendwelche Dokumente oder E-Mails hochzuladen. Das ist natürlich etwas, was in der Landwirtschaft immens wichtig ist. Hier macht die Digitalisierung natürlich auch kein Halt, wenn wir denken an Melk-, Fütterungsroboter usw. Da kommen eine Menge Daten zusammen, die verarbeitet werden und natürlich den Betrieb schnell zur Verfügung stehen müssen“,

sagte uns im Juli Landwirt Heiner Born (CDU) aus Breckerfeld. Breckerfeld ist jedoch beim geförderten Ausbau noch später dran als Witten, wo die Arbeiten schon laufen.

Nur etwa die Hälfte der ausgebauten Anschlüsse wird direkt an Glasfaser angeschlossen. Die andere Hälfte darf weiterhin von hohen Geschwindigkeiten wie 400 Mbit/s und 1.000 Mbit/s nur träumen. Erst wenn alle Haushalte direkt an Glasfaser angeschlossen werden, könnten die hohen Geschwindigkeiten erreicht werden. Im Ennepe-Ruhr-Kreis soll 90 Prozent aller Bürger bis zum Jahr 2030 Internet über Glasfaserleitungen bekommen, erläutert Ulrich Schilling, Breitbandbeauftragter des Ennepe-Ruhr-Kreises.

Der ganze Kreis ist in acht Cluster aufgeteilt worden, in Witten und Herdecke werden die Arbeiten schon jetzt geführt, die anderen Städten im Kreis sollen später folgen. Ziel ist es diese Mittel bis Februar/März 2023 zu verbauen. Doch auch nach dem Ausbau werden drei Prozente der Haushalte an kein schnelles Internet angeschlossen sein. Ohne weitere Fördergelder würde es dabeibleiben, deshalb bemüht sich der EN-Kreis um weitere Fördermittel für den Breitbandausbau.

Statt die Glasfaserleitung direkt bis in die Häuser zu ziehen, werden in vielen Gebieten nur die Schaltkästen in den Siedlungen mit schnellem Internet versorgt, von dort geht es weiter über die alten Kupferkabel. Die sogenannte Vectoring-Technik ermöglicht nur Leitungen mit 250 Mbit/s, über Kabelanschluss gibt es schon heute im Ausbaugebieten 1.000 Mbit/s, über Glasfaser können noch schnellere Anschlüsse realisiert werden.

Wo genau ausgebaut wird, präsentiert der Ennepe-Ruhr-Kreis auf einer Karte auf seiner Homepage. Bevor die Ausbauarbeiten beginnen, werden die Bürger von der Kreisverwaltung und Telekom persönlich angeschrieben. Die Grundbesitzer müssen zustimmen, dass ein Kabel über ihr Grundstück gezogen wird. Wird keine Zustimmung erteilt, wird die Leitung bis zur Grundstückgrenze gezogen. Da es sich um einen diskriminierungsfreien Ausbau handelt, müssen die Anschlussbesitzer keinen Vertrag mit der Telekom abschließen, sondern können sich an einen Telekommunikationsanbieter ihrer Wahl wenden. Es wird auf jeden Fall ein neuer Router nötig werden.

Noch bis Anfang 2021 will die Telekom im Dorneywald und „Am Katteloh“ schnelles Internet verlegen, die Tiefbauarbeiten haben gerade angefangen, erläutert Dipl.-Ing. Ludger Kremer von der Deutschen Telekom. Durch den Dorneywald werden Leitungen durchgebohrt. Anschließend wird die Telekom ihre Technik in die Schaltkästen einbauen.

Der Stockumer Jonas Thiemann hofft noch vor Weihnachten an Glasfaser angeschlossen zu werden. Es wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk, meint der Stockumer. Welche Geschwindigkeit er wählen soll, weiß er noch nicht, das hängt von dem Preis ab.

Während die Bürgermeisterin Sonja Leidemann den Ausbau lobt, tobt die Wittener Opposition, denn der Internetausbau im Ennepe-Ruhr-Kreis ist verschlafen worden. Die Piraten-Partei bemängelt, dass der Glasfaserausbau nicht in jedes Haus durchgeführt wird:   

„Nur bei der Hälfte der Häuser kommt die Glasfaser bis ins Haus. In der Regel enden sie in einem grauen Kasten am Straßenrand. Für die restliche Strecke wird das Signal auf die alten Kupferleitungen umgesetzt. Für geförderte Infrastruktur gilt eine Zweckbindungsfrist von sieben Jahren ab Fertigstellung. In Breckerfeld werden die letzten Anschlüsse 2023 fertiggestellt. Die Frist endet also erst 2030. Wird mit Vectoring ausgebaut, kann so erst 2030 damit begonnen werden, endlich Glasfaser bis ins Haus zu verlegen. Es ist bitter nach sechs Jahren angeblichen "sich Kümmerns" festzustellen, dass nichts erreicht wurde. Dieser Fototermin ist Augenwischerei und Selbstbeweihräucherung“,

teilt die Piraten-Partei mit und Kreistagsmitglied Jörg Müller ergänzt:

„Die Ziele, die sich der Kreistag 2014 gesetzt hatte, sind nicht erreicht. Denn auf einen zukunftssicheren Ausbau müssen wir wohl nochmal 10 Jahre warten.“