Vodafone: Wenn das WLAN schweigt und der Fernseher meditiert

Es gibt diese seltenen Momente, in denen eine ganze Stadt plötzlich zur Ruhe kommt. Keine Push-Nachrichten, kein Streaming, kein hektisches Zappen durch 200 Programme, um dann doch wieder bei derselben Serie zu landen. In Witten – oder zumindest in den Wohnzimmern der Vodafone-Kundschaft – war Donnerstag so ein Moment. Ein unfreiwilliger Digital-Detox, verordnet vom Kabelnetzbetreiber höchstpersönlich.

Begonnen hat alles ganz harmlos. Wartungsarbeiten, angekündigt, kurz und schmerzlos: maximal zehn Minuten. Eine Zeitspanne, die man sonst damit verbringt, zu überlegen, was man eigentlich schauen wollte. Zehn Minuten also, die man großzügig verzeiht. Ein technisches Räuspern.

Doch dann wurde aus dem Räuspern ein ausgedehntes Schweigen.

Fünf Stunden später: Der Bildschirm schwarz, das WLAN tot, das Festnetz verstummt. Die digitale Dreifaltigkeit außer Gefecht gesetzt. Statt Netflix flimmert plötzlich die eigene Wohnzimmerwand, statt Podcasts hört man wieder das leise Summen des Kühlschranks. Manch einer soll sogar mit seinen Mitbewohnern gesprochen haben – Augenzeugenberichte sind allerdings schwer zu verifizieren, mangels Internet.

Vodafone selbst bleibt derweil gelassen. „Du brauchst gerade nichts weiter tun“, heißt es auf der Homepage. Eine beruhigende Botschaft, fast schon philosophisch. Tue nichts. Warte. Vertraue. Irgendwo zwischen Router und Rechenzentrum werde bereits „gekümmert“. Dass aus zehn Minuten inzwischen ein halber Arbeitstag geworden ist – geschenkt. Zeit ist schließlich relativ, besonders im Störungsfall.

Und dann dieser schöne Satz: „Es kann zu unvorhersehbaren Ereignissen kommen.“ Ein Klassiker der modernen Techniklyrik. Was genau passiert ist? Ein Kabel beleidigt? Ein Server müde? Ein Praktikant mit zu viel Selbstvertrauen? Man weiß es nicht. Und vielleicht ist genau das die Pointe.

Denn während früher der Fernseher ausfiel und man sich ärgerte, fällt heute gleich das halbe Leben mit aus. Kein Internet ist eben nicht nur kein Internet. Es ist auch kein Kontakt, keine Information, keine Ablenkung. Eine Art digitaler Stromausfall – nur ohne Kerzenromantik.

Vielleicht bleibt am Ende eine Erkenntnis: Dass zehn Minuten manchmal fünf Stunden dauern können. Und dass „Wir kümmern uns“ ein Satz ist, der vor allem eines tut – Zeit dehnen.

Bis das Internet zurückkehrt. Und mit ihm die Gewissheit, dass wir beim nächsten Mal wieder brav glauben werden: maximal zehn Minuten.

Update: Seit 18:35 Uhr funktionieren Kabelfernsehen und Internet in Witten wieder.

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