Witten-Stockum/Ruhrgebiet. Wer an der Hörder Straße den Bus verpasst oder am ÖPNV-Streiktag von A nach B kommen will, dem bot sich metropolradruhr an. Ein Fahrräder-Verleihpunkt wurde vor drei Jahren an der Evangelischen Kirche eingerichtet. Nun bekommen die Fahrräder einen neuen Anstrich, den ein neuer Betreiber übernimmt den Service und den Verleih. Die Nutzer müssen eine neue App herunterladen.
Ein Stadtteil als Beispiel für die „letzte Meile“
Während das Fahrradverleihsystem im Ruhrgebiet vielerorts früh funktionierte, blieb Stockum lange außen vor. Dabei zeigt unser Stadtteil exemplarisch, worum es beim Leihrad geht: die Verbindung zwischen S-Bahn-Station und dem Stadtteil – die berühmte „letzte Meile“.
In anderen Teilen der Region war das längst gelebte Praxis. Pendler konnten etwa am S-Bahn-Haltepunkt Dortmund-Oespel ein Rad nehmen, nach Bochum-Langendreer fahren und es dort unkompliziert wieder abstellen. Flexibel, schnell, städteübergreifend.
In Stockum dagegen fehlte genau diese Anschlussfähigkeit. Wer hier unterwegs war, musste improvisieren.
Der späte Anschluss: metropolradruhr kommt nach Witten
Erst im Juni 2023 änderte sich die Situation grundlegend. Mit dem Start des metropolradruhr in Witten wurden rund 50 Fahrräder im Stadtgebiet verteilt, neue Stationen eingerichtet – unter anderem am Campus der Universität Witten/Herdecke.
Damit rückte auch Stockum zumindest näher an das Netz heran. Das Leihrad wurde zur konkreten Alternative: für Studierende, für Pendler, für alle, die spontan von A nach B wollten.
Doch wie so oft im Ruhrgebiet gilt: Ein Anfang ist gemacht, aber das Netz ist nur so stark wie seine Dichte.
Jetzt der nächste Schritt: Donkey Republic übernimmt
Zum 1. April folgt nun der nächste Einschnitt. Der bisherige Betreiber nextbike zieht sich zurück, der dänische Anbieter Donkey Republic übernimmt den Betrieb für zunächst fünf Jahre.
Der Übergang läuft schrittweise: Bis zum 31. März werden die bisherigen Räder eingesammelt, ab April kommen neue in Umlauf – zunächst an stark frequentierten Stationen, später im gesamten Netz.
Für Nutzerinnen und Nutzer ändert sich vor allem die Handhabung:
- Die Ausleihe erfolgt künftig über die Donkey-Republic-App
- Fahrräder werden digital per Smartphone ent- und verriegelt
- Die Tarifstruktur bleibt weitgehend unverändert (ab 1 Euro pro Stunde, mit Monats- und Jahresoptionen inklusive Freiminuten)
Das System bleibt also vertraut – wird aber konsequent digitalisiert.
Mehr als nur neue Räder
Der eigentliche Kern des Betreiberwechsels liegt jedoch im Ausbau. Der Regionalverband Ruhr plant, die Flotte perspektivisch auf über 5.000 Fahrräder und mehr als 1.000 Stationen zu erweitern – etwa doppelt so viel wie bisher.
Zudem sollen künftig hochwertigere Räder mit 8-Gang-Schaltung eingesetzt werden. Auch Pedelecs und E-Lastenräder sind perspektivisch vorgesehen.
Für Stadtteile wie Stockum ist das entscheidend. Denn hier geht es weniger um einzelne Prestige-Stationen als um Verfügbarkeit im Alltag: Ist ein Rad da, wenn man es braucht? Gibt es genug Stellplätze? Funktioniert das System auch abseits der Hauptachsen?
Was bedeutet das konkret für Stockum?
Der Betreiberwechsel könnte genau dort ansetzen, wo die Schwächen bislang lagen. Eine dichtere Verteilung der Räder, modernere Technik und ein größeres Angebot würden den Stadtteil stärker integrieren.
Gerade für die Universität, für Berufspendler Richtung Dortmund oder Bochum und für Bewohner ohne eigenes Auto entsteht so eine echte Alternative.
Gleichzeitig bleibt die Herausforderung bestehen: Ein Leihradsystem steht und fällt mit seiner Zuverlässigkeit. Leere Stationen oder fehlende Räder machen jeden technologischen Fortschritt zunichte.
Ein Neuanfang mit offenem Ausgang
Der Wechsel zu Donkey Republic ist deshalb mehr als ein neuer Anstrich für bekannte Fahrräder. Er ist ein Testlauf dafür, ob das metropolradruhr seine Versprechen künftig besser einlösen kann – gerade in Stadtteilen wie Witten-Stockum.
Denn hier entscheidet sich, ob aus einem guten Konzept ein funktionierendes Alltagsangebot wird. Nicht im Zentrum, sondern am Rand. Dort, wo der Weg nach Hause eben noch ein Stück weiter ist.
Hier gibt es die neue App: Donkey Republic



