Wird der Stockumer Bruch zur Sackgasse? Einige Anlieger fordern die Sperrung. (Foto: Marek Schirmer)
Wird der Stockumer Bruch zur Sackgasse? Einige Anlieger fordern die Sperrung. (Foto: Marek Schirmer)

Stockumer Bruch: Verkehrsausschuss sieht keinen Handlungsbedarf

Witten-Stockum. Über weitere verkehrsberuhigende Maßnahmen im Stockumer Bruch musste der Ausschuss für Verkehr am Dienstag, 18. Februar entscheiden. In der Straße wird gerast, beklagen die Anlieger und fordern eine schnelle Änderung. Viele Autofahrer nutzen die Anliegerstraße als Abkürzung zum Industriegebiet Brauckstraße oder auf dem Weg nach Dortmund. Die Forderung nach einer Straßensperrung stieß nicht bei allen Anliegern auf Verständnis. Die Gewerbebetriebe im Stockumer Bruch fürchten um ihre Existenz. 

Im Schnitt würden 2.500 Fahrzeuge pro Tag durch den Stockumer Bruch fahren beschreibt die Situation Alexander Lipka aus dem unteren „Bruch“. Etwas 85 % der Fahrer halten sich nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, so der Familienvater. Von 850 Autos weniger geht die Stadtverwaltung aus. Bei einer Messung im Mai 2011 sind innerhalb einer Woche 11,5 tsd. Fahrzeuge gemessen worden und tatsächlich hielten sich nur 15 % an die vorgeschriebene Geschwindigkeit.

Nicht nur Lkws, sondern auch Busse würden über den Stockumer Bruch fahren bemängelt Lipka. Im Stockumer Bruch befindet sich eine Buswendeschleife. Die Verkehrsunternehmen nutzen die Anliegerstraße als Abkürzung zum nächsten Einsatzort oder auf dem Weg in den Betriebshof. Das bestätigen auch die Zahlen der Stadt Witten.

Ein 10-Punkte-Programm zur Geschwindigkeitsreduzierung im Stockumer Bruch ist bereits zum größten Teilen abgearbeitet worden. Den Anwohnern ist es nicht zuzumuten mit dieser Gefahr ständig zu wohnen, sagt Hans-Ulrich Kieselbach (CDU). Im Verkehrsausschuss hat er sich für einen „Blitzkasten“ ausgesprochen. Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke beziffert die Kosten auf eine viertel Million. „Ein Totschlagargument“ für Kieselbach, ein Dummy würde erst reichen. Für Lipka sind die Kosten ein kleineres Problem: „Wir haben der Stadt Witten angeboten selber Gelder für Maßnahmen wie eine stationäre Geschwindigkeitsüberschreitungsanzeigen aufzubringen, es wurde abgelehnt.“

Sorgen um die eigenen Kinder macht sich auch der Gärtener Dirk Arntzen. Doch genauso machen ihm Sorgen die Vorschläge die Straße für den Durchgangsverkehr zu sperren. Seine Kunden müssten einen Umweg über die Stockumer Straße in Dortmund oder Witten fahren. Einige Kunden signalisierten ihm, sie würden dann nicht mehr kommen. Doch ohne seine Stammkunden kann er den Blumenladen dichtmachen und Hartz IV beantragen. „Für mich war es nie ein Problem, dass viele Autos den Stockumer Bruch befahren, sondern mit welchen Tempo die Autos die Straße befahren, darin liegt für mich der Kern des Problems.“, sagt Arntzen.

Im Verkehrsausschuss wurde gefragt, ob die Straße überhaupt schon bei Anliegern abgerechnet worden ist. Bevor hohe Investitionen getätigt werden, schlägt Dirk Arntzen vor: „Man sollte sich überhaupt überlegen, ob man an der Straße etwa tut, denn die schlechte Fahrbahndecke verhindert die Raserei. Ist der Asphalt wieder glatt, macht das Schnellfahren wieder mehr Spaß.“

„Die Straße sieht aus wie eine Marslandschaft“, beschreibt den Zustand Alexander Lipka. "Durch die starke Belastung durch Lkws muss die Straße jedes Jahr ausgebessert werden. Es wird trotzdem gerast." Die Stadt hat nur 6-7 Lkws pro Tag gezählt, 1-2 in Richtung Baroper Straße, den Rest in Richtung Stockum.

Einen akuten Handlungsbedarf sieht auch Siegmut Brömmelsiek von der Wittener Bürger Gemeinschaft. Seine Fraktion hat im Verkehrsausschuss einen Antrag auf verkehrstechnische oder bauliche Maßnahmen zur Reduzierung des Durchgangsverkehrs und Einhaltung der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit gestellt. Der Antrag wurde durch Mehrheit der Ausschussmitglieder abgelehnt. Brömmelsiek kritisiert, dass auch Stockumer Ratsmitglieder bei der Verkehrsausschuss-Abstimmung die Problematik ignoriert haben, warnt aber vor umfangreichen Baumaßnahmen, die nicht nur die Grundstückinhaber belasten, sondern auch z. B. den Mähdrescher aussperren. Er plädiert für einen Diskurs, der zu einer Lösung führt, die allen gerecht wird.