(Foto: Marek Schirmer)
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Baustellen-Parkour

Witten-Stockum. Das Ziel eines Parkours ist es möglichst in grader Linie vom Punkt A nach B zu gelangen. Wörtlich übersetzt aus dem Französischen heißt es „der, der eine Linie zieht“. In der Stockumer Straße wird der Parkour täglich von Autofahrern geübt. Trotz der zahlreichen „Durchfahrt Verboten“ Verkehrsschilder (Schild 250) missachten Fahrzeuglenker das Verbot. Die Missachtung des Verbots wird lediglich als Ordnungswidrigkeit mit bis zu 20 Euro verwarnt, ein Schnäppchen das anscheinend viele Autofahrer in die Unterhaltungskosten ihres Fahrzeugs fest einkalkulieren. Eine gute Fahrzeugreinigung mit Glanzpolitur und Heisswachs kostet genau so viel.

Die Baustellenabsperrung wird von den Bauarbeitern so aufgebaut, dass die Fußgänger die Bauzäune passieren können, die Autos jedoch nicht durchkommen. In nur 30 Minuten beobachten wir an der Baustelle, wie Autofahrer trotz der Bauzäune versuchen die Absperrung zu passieren. Einigen Kraftfahrzeugführern gelingt der Parkour ohne die Bauabsperrung zu verschieben. Weniger geübte Sportsfreunde verweigern sich der sportlichen Leistung. Sie setzen eher auf die Kraftübung „Bauzäune verschieben“. Sie fahren mit dem Auto durch und leisten sich erneut den Kraftakt und verschieben die Bauzäune zurück, um die Baustelle zu versperren. Einige wenden auch, nachdem sie sich überzeugt haben, dass dort tatsächlich gebaut wird oder weil sie sich nicht trauen, wenn jemand mit einem Fotoapparat das Geschehen beobachtet.

Ein älterer Radfahrer durchquert den Baustellenbereich. Er verhält sich vorschriftsgemäß und schiebt sein Fahrrad, denn auch Zweiräder dürfen einen mit dem Verkehrszeichen 250 gekennzeichneten Bereich nicht befahren. Einem Autofahrer ist der Senior im Weg, er steigt aus und verschiebt die Absperrung, damit er und der folgende Kleintransporter den abgesperrten Bereich passieren können. Wenige Minuten später kommt eine Seniorin mit ihrem Auto angefahren, bleibt an der engsten Stelle stecken, steigt aus und bittet Passanten um Hilfe. Ein Mann verschiebt für sie die Absperrung. Sie lenkt langsam ihr Auto um das Hindernis. Der nächste Autofahrer resigniert, wendet sein Fahrzeug und fährt wieder zurück.

Statt mehrfach die Verkehrsschilder „Durchfahrt Verboten“ im Baustellenbereich aufzustellen, sollte die Stadt das Verkehrszeichen 274 mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von nur 1 km/h aufstellen und einen Blitzkasten. Bei einer Geschwindigkeit von nur 30 km/h wären dann schon 80 Euro fällig und 1 Punkt in Flensburg.

Nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg und einigen Attentaten mit LKW-Einsatz in der Welt müssen heute Straßenfeste und Karnevalsumzüge stärker abgesichert werden als Baustellen. Die Verwarngelder in Deutschland fallen drei bis viermal niedriger aus als im EU-Ausland. Da wundert es nicht, dass der Parkour zum Volkssport geworden ist.