Meike Herbers (Schatzmeisterin), Roland Löpke (2. Beisitzer) und Tina Gambalat (Vorsitzende) moderierten den 2. Stockumer Stammtisch
Meike Herbers (Schatzmeisterin), Roland Löpke (2. Beisitzer) und Tina Gambalat (Vorsitzende) moderierten den 2. Stockumer Stammtisch (Foto: Marek Schirmer)
52 Stockumer folgten der Einladung zum 2. Stockumer Stammtisch
52 Stockumer folgten der Einladung zum 2. Stockumer Stammtisch (Foto: Marek Schirmer)

„Es passiert noch nicht ganz so viel“

Witten-Stockum. Der „2. Stockumer Stammtisch“ gegen ein Gewerbegebiet im Vöckenberg lockte am Dienstag (4.9.) 52 interessierte Wittener in die Sportlerklause. Die Veranstaltungsreihe hat der neu gegründete Verein „Stockum wehrt sich“ von einer bisherigen Initiative übernommen, die den Widerstand in Stockum organisierte. Die Vereinsmitglieder stellten sich den versammelten Wittenern vor und schilderten den aktuellen Sachstand.

Bis jetzt weht ein laues Lüftchen über den Feldern zwischen der Pferdebachstraße, der Stockumer Straße und der Autobahn A44/A448. Vier Häuser stehen auf der 20 Hektar großen Fläche, die zum regionalen Grünzug gehört. Eine Frischluftschneise verläuft über dieser landwirtschaftlich genutzten Fläche. Im gültigen Regionalplan ist diese Fläche „unantastbar“, dort darf nicht gebaut werden. In der Entwurfsfassung des neuen Regionalplans Ruhr wurde der Grünzug auf der betroffenen Fläche reduziert. Die dadurch freiwerde Fläche ist für Gewerbeansiedlung vorgesehen. Wertvoller Ackerboden würde dann verloren gehen. Noch bis März 2019 dürfen alle im Rahmen einer Bürgerbeteiligung Stellungsnahmen zum neuen Regionalplan an den Regionalverband Ruhr (RVR) einsenden.

Viele Besucher des Stammtisches brachten ihre Fragen und Beobachtungen mit. Ist der Bedarf an Gewerbeflächen wirklich so groß in Witten, fragten sie. Andere fürchten eher den Lärm und die Emissionen. Bernd Wittke erklärte, dass der Bedarf auf Hochrechnungen der Städte basiert. Die Städte würden Anfrage von Unternehmen erhalten, allerdings fragen die Unternehmen in mehreren Städten gleichzeitig an, dadurch entsteht ein verzerrtes Bild über den tatsächlichen Bedarf.

Die versammelten Stockumer wollten auch wissen, wie sich die Wittener Parteien positionieren. Die großen Fraktionen (CDU & SPD) sind für das Gewerbegebiet, erläuterte Roland Löpke, 2. Beisitzer im Verein „Stockum wehrt sich“ und Ratsherr der Piratenfraktion im Rat der Stadt Witten. Eine Ausnahme bildet der SPD-Ortsverband Stockum, der ebenfalls gegen das Gewerbegebiet ist. Die Position der kleinen Fraktionen im Rat kennen die Vereinsmitglieder noch nicht. Löpke machte auch auf die Regionalparlamentswahlen aufmerksam. Im Jahr 2020 werden alle wahlberechtigten Bewohner des Ruhrgebiets das erste Mal das Ruhrparlament selbst wählen dürfen.

Der Wittener Thomas Bremer zitierte während der Stammtisches einen Leserbrief von Tina Gabalat. Die Vereinsvorsitzenden von „Stockum wehrt sich“ zitierte in ihrem Leserbrief einen entscheidenden Ausschnitt aus dem Umweltgutachten zum Regionalplan Ruhr:

„Hinsichtlich der schutzgutbezogenen Beurteilung sind voraussichtlich bei zwei Kriterien (schutzwürdige Böden, klimatische und lufthygienische Ausgleichsräume) erhebliche Umweltauswirkungen zu erwarten, so dass die Umweltauswirkungen schutzgutübergreifend als erheblich eingeschätzt werden.“

Ihr Leserbrief kann auf der Homepage des Vereins nachgelesen werden.

Wenn die Fläche zubetoniert wird, fließt das Regenwasser herunter zum Bebbelsdorf, erklärte Roland Löpke, der die Moderation des Abends übernommen hat. Thomas Bremer machte auf die Abzweigrohre zum leeren Feld aufmerksam, die während des andauernden Umbaus der Stockumer Straße verlegt und vergraben wurden und frage, ob diese schon für das neue Gewerbegebiet vorgesehen sind.

Zu den Stammtischbesuchern gehörte auch die Stockumerin Birgit Lasthaus-Denzel. Sie findet gut, dass Menschen Verantwortung übernommen haben und wollte sich nur informieren. In ihrer Freizeit ist sie häufiger unmittelbar an der betroffenen Fläche anzutreffen, denn sie spielt Tennis beim TUS Stockum. Dem Stockumer Urgestein Martin Szymczak sind alle am Abend genannten Argumenten wichtig, vor allem die Insellage will er erhalten sehen, denn die prägt den Stadtteil und deshalb ist er gegen eine bauliche Anbindung an Witten. Thomas Bremer möchte eher die guten Ackerböden erhalten. Bei seinen Motorradfahrten spürt er in heißen Sommermonaten die Temperaturunterschiede zwischen der Innenstadt und Stockum. Früher hätte er „das mit dem Klima“ für Blödsinn gehalten, aber gerade im letzten Sommer wurde ihm klar, wie wichtig Ackerboden für das Klima ist.

Der Verein „Stockum wehrt sich“ hat große Aufgaben vor sich.

„Es passiert noch nicht ganz so viel“,

sagte Löpke. Drei bis vier Wochen dauert die Vereinsanmeldung beim Amtsgericht Bochum, die Zeit wollen die Vereinsmitglieder nutzen, um Aktionen zu planen. Geplant sind Infostände und mehr Öffentlichkeitsarbeit, betonte die Schatzmeisterin Meike Herbers. Die Vereinsmitglieder wollen auch die Landwirte ansprechen, die bis jetzt mit der Ernte beschäftig waren. Die nächsten Termine für den Stammtisch stehen schon fest, der Verein „Stockum wehrt sich“ will in Zukunft an jedem ersten Dienstag im Monat zum neuen Stammtisch einladen.